07.08.2019

Eine Erfolgsstory – und doch nicht stolz darauf

Die unübersichtliche Struktur des kleinen Handelsunternehmens war sehr erfolgreich über fast zwanzig Jahre gewachsen.

Immer wieder kamen „Sonderschleifen“ hinzu, weil sie auf die Vision der umtriebigen, zupackenden Unternehmerin einzahlten, zum ganzheitlichen Ansatz des Gesundheitsangebotes passten und genau die Kundenwünsche trafen. Alle neuen Ideen und Angebotssatelliten wurden von ihr über die Jahre integriert und personell nach punktuellem Bedarf abgedeckt. Nach außen eine Erfolgsstory, die vom Wettbewerb mit Sorge, manchmal auch offenem Neid und Angst betrachtet wird.

Der Kompass ging verloren

Doch vor mir saß eine erschöpfte und ratlose Frau, die mit Tränen in den Augen zugab, dass sie nicht wisse, auf was sie überhaupt stolz sei. Vieles hatte sie mit Verve angefasst, sich in große und kleine Projekte gestürzt, mit großem Aktivismus Neues vorangetrieben. Sie hatte sich dabei verzettelt, den Sinn, weshalb sie einmal gestartet war und wofür sie stehen wollte, aus den Augen verloren. Kein Einzelfall. Dieses Setting ist allgegenwärtig. Ob, wie hier, im kleinen Mittelstand oder in der Struktur eines großen Konzerns. Ob Geschäftsführer oder Abteilungsleiter.

Wenn innere und äußere Klarheit fehlen ...

1. Persönlichkeiten, die mutig, unabhängig und beherzt Projekte vorantreiben, laufen mit all ihrem Aktivismus Gefahr, den eigentlichen Sinn für ihr persönliches „Großes und Ganzes“ aus den Augen zu verlieren. Doch dies war ursprünglich Triebfeder und Kraftquelle für ihren Unternehmergeist! Doch nun ist nicht mehr klar, wofür sie stehen.

2. Wenn die innere Haltung nicht mehr klar ist – wie soll da ein vertrauensvolles Umfeld mit den Mitarbeitern aufgebaut oder erhalten werden? Wie soll im Durcheinander des digitalen Zeitalters Position bezogen werden, sodass Mitarbeiter einen Ankerpunkt für zielgerichtetes Handeln und Entwicklung finden? Je deutlicher der Kompass für die Mitarbeiter, umso leichter finden sie selbst den Sinn in ihren Aufgaben.

Auch Purpose braucht Freiraum für Entwicklung!

Zurück zu unserer Geschichte. Wir lernen daraus, dass es immer wieder neu Aufmerksamkeit braucht, die wahre Bedeutsamkeit des eigenen Tuns zu schärfen und auch für die Menschen im Umfeld erlebbar zu machen.

Trotz aller Handlungszwänge.

Das, was mich ursprünglich brennen ließ, verändert über die Zeit seine Konturen, steht in neuen Zusammenhängen, hat Aspekte hinzugewonnen, andere verloren usw. Um das mit klarem Blick zu erkennen, brauchen Sie bewusste Denkpausen – alleine oder zu zweit. Denn Ihr Sinn ist das Herzstück Ihrer Energie und Ihres Handelns.

Und wenn Sie erkennen, dass Sie zu Aktivismus neigen, die Erschöpfungsphasen andauern, Ihre Haltung immer negativer wird, ist dies ein ernst zu nehmendes Signal, innezuhalten.

zurück