21.08.2019

Leadership in der digitalen Welt …

Teams organisieren sich selbst. Ganze Hierarchiestufen fallen weg. Turnschuhe tauchen wie selbstverständlich auf den Führungsetagen auf, Krawatten verschwinden. Die Hirnforschung bringt wichtige Erkenntnisse zur Motivation von Menschen zu Tage. Die Psychologie gibt tiefe Einblicke, welche Aspekte Menschen zu wirklichen Leadern machen.

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Lassen Sie uns einen Blick auf die Komplexität von Leadership werfen. Dr. Robert Hogan, der Begründer der weltweit führenden Persönlichkeitsdiagnostik gleichen Namens, sprach vor einigen Wochen in Frankfurt anlässlich einer Konferenz über die Grenzen von Charisma und den neuen Blick auf Bescheidenheit – als Kriterium für Leadership-Rollen in der VUCA-Welt.

Inspiriert von seinen Untersuchungsergebnissen tauschte ich mich in den folgenden Wochen mit mehreren meiner Kunden dazu aus und diskutierte im privaten Kreis. Ich wollte lernen und besser verstehen.

Charisma wird nicht nur auf Vorstandsebene als Treibstoff der Karriere gesehen – aber Bescheidenheit?

Muss ein Leader Charisma haben? Charisma geht oft mit Narzissmus einher, führt zu angepassten Führungsteams, zu Stagnation und Fehlentscheidungen, weil Selbstbezogenheit blockiert.

Ich stieß in meinen Gesprächen häufig auf Unverständnis. Mitarbeiter erwarten charismatische Persönlichkeiten an der Spitze. Unternehmen prosperieren, wenn die Leader Effizienz und Unternehmenserfolg im Auge haben. Das geht nicht ohne Durchsetzungsvermögen und Gestaltungswillen. Natürlich orientieren sich Mitarbeiter an Persönlichkeiten, die inspirieren, die vom Sinn ihres Handelns überzeugt sind.

Aber Bescheidenheit? Sich selbst nicht in den Mittelpunkt stellen? Zuhören? Feedback akzeptieren und anerkennen, dass andere mehr wissen könnten als man selbst? Offen sein für Trends? Falsche Entscheidungen offen korrigieren? „Dann müsste man unseren gesamten Vorstand austauschen“, war eine der deutlichsten Reaktionen bei meinen Gesprächspartnern.

Was aber sagen anerkannte Fachleute, die sich mit dem Kern von Motivation beschäftigen?

Den Menschen muss es gut gehen, damit sie ihr Potenzial entfalten können

Lord Richard Layard, emeriterter Professor der London School of Economics, wurde in einem kürzlich erschienenen Newsletter von McKinsey zitiert: „Here is the most shocking fact that I’ve come across in happiness research: The time of day or the time in the week that people least enjoy is when they’re with their boss. This says something about the management style that we have been generating in recent years. There is too much rule by the creation of anxiety and fear, and not enough by motivation and enjoyment and inspiration. We need bosses who will inspire, and lead by inspiring, rather than by frightening people.”

Inspiration beginnt also bei der Führung und basiert auf dem echten Interesse am Gegenüber.

Von dem Biologen und Hirnforscher Gerald Hüther habe ich notiert, dass das menschliche Hirn nur dann gut funktioniert, wenn es dem zugehörigen Menschen auch gut geht.

Echte Leader sind hochgradig „selbst-bewusst“

Meine Erkenntnis: Jeder ist in seiner Leadershiprolle gefordert, eigenes Handeln und Denken immer wieder zu prüfen und weiterzuentwickeln. Umso mehr in einer Zeit, in der die disruptiven Veränderungen in der Wirtschaft, die digitalen Veränderungen in den Unternehmen nicht mehr den bekannten, alten Mustern folgen.

Wer inspirierend, effizient und erfolgreich führen will, braucht:

  1. Sinn außerhalb des eigenen Karriereanspruchs
  2. Klarheit in der Selbstbeobachtung
  3. Beweglichkeit, das persönliche Verhaltensrepertoire zu erweitern
  4. Wertschätzung für die Stärken und Potenziale anderer
  5. Bereitschaft, andere auf ihrem Entwicklungsweg bestärkend zu begleiten

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