27.10.2020

„Perlen fädeln am Strand“ oder ein Karrierewechsel mit Perspektive?

Die Fechterin und Olympionikin Monika Sozanska strandete durch COVID-19 auf Bali und lässt nun in Indonesien, wie es vor Kurzem die Presse aufmerksamkeitsstark verkündete, ihre internationale Karriere hinter sich, um sich ganz ihrer zweiten Leidenschaft, dem Schmuckdesign zu widmen. Anstatt ein neues Album zu veröffentlichen, wird Adele in Kürze Gastgeberin einer Comedy-Show.

Prominenten Talenten scheint – zumindest von außen - ein Karrierewechsel vergleichsweise leicht zu fallen. Ist es höhere Resilienz, die diese beiden bereits in Ausnahmeberufen arbeiten ließ und nun zielgenauen Wechsel möglich macht? Ist es Tapferkeit? Ist es mentale Stärke? Ist es finanzielle Absicherung, die auch ein eventuelles Scheitern abfedert? Wahrscheinlich eine Mixtur.

Annahmen verhindern persönliche Weichenstellungen

New Work – die Welt neu denken – The New Now. Betrachtungen über New Work lassen sich gut anstellen, die Hilfestellungen sind schnell formuliert: Du musst mit den Unwägbarkeiten unserer Zeit bewusst, mit Mut und Improvisationstalent umgehen und nach vorne denken. Nutze die Krise für Weichenstellungen – so wie Monika Sozanska.

Alles richtig. Aber Abwehr und Rechtfertigungen sind ebenfalls schnell formuliert: Viele von uns glauben, nicht die materielle oder familiäre Freiheit zu haben, neu und ganz anders von vorne anzufangen, auch wenn sie sich nichts sehnlicher wünschen. Viele von uns glauben, Sicherheit innerhalb einer bestehenden Struktur zu finden, auch wenn diese gar keine Sicherheit mehr verspricht. Viele von uns glauben, alle Mühen seien vergeblich, von Sekunde Null mit Begeisterung und Neugier Neues zu umarmen, auch wenn sie sich darum noch so sehr bemühen würden.

Nicht zuletzt liegt es auch in unserer Persönlichkeit. Es ist herausfordernder eine Krise zu bewältigen, wenn wir für innere Balance und Stärke, Strukturen und Sicherheit benötigen. Wenn wir hingegen Freitheit, Abenteuer und das Ungewisse lieben, fällt es leichter, Altes hinter sich zu lassen.

Homeoffice – frei vom Tunnelblick. Ein Startpunkt für Neudenker in Sachen Karriereentscheidung

Homeoffice erzeugt Distanz. Physisch und mental. Für notwendige emotionale Freiheit bei anstehenden Karriereentscheidungen ein willkommenes Biotop! Es beschert Denkräume und eine Helikopter-Perspektive auf sich selbst, die Bindung an den Arbeitgeber, das wirtschaftliche Umfeld und damit verbunden, mögliche einschneidende Veränderungen und Umstrukturierungen.

Ich lade Sie herzlich ein, diese Gelegenheit zu nutzen und mit Hilfe eines kurzen Leitfadens entscheidende Fragestellungen zu umrunden. Das ist in jeder Konstellation denkbar und machbar. Zwei Möglichkeiten. Entweder gehen Sie Ihren Weg genauso kraftvoll weiter wie bisher, oder aber Sie haben innere Klarheit und Tapferkeit gewonnen, um konzentriert Ihre nächsten Schritte zu gehen.

  1. Der Blick auf sich selbst
    Fokussieren Sie schonungslos Ihre eigene Wirksamkeit und Zufriedenheit im Beruf. Können Sie Ihre Persönlichkeit voll einsetzen? Passt sie noch in die momentane Wirklichkeit und Kultur? Wie gehen Sie mit anstehenden Veränderugsszenarien um und schätzen Ihren möglichen weiteren Erfolg ein? Und letztendlich - legen Sie sich Rechenschaft ab, welches „Vermächtnis“ das eigene Tun am Ende bringen soll.
  2. Der Blick auf den Arbeitgeber
    Fokussieren Sie ungeschönt seine Zukunftsfähigkeit und Krisenresistenz, seine Verlässlichkeit, aber auch Veränderungsbereitschaft und Kultur.
  3. Der Blick auf das wirtschaftliche Umfeld
    Fokussieren Sie Chancen, Risiken und Trends. Welche Branchen und Geschäftsmodelle stehen unter Veränderungsdruck, welche entstehen gerade neu? Welche Kompetenzen bringen Sie für neue Bereiche mit?

Bei mir nimmt in den letzten Wochen die Zahl der Anrufer zu, denen es schwer fällt, ihre persönliche Karrierewelt zu überprüfen und neu zu denken. Das Homeoffice hat vieles verändert. Es schenkt Luxus, Abstand zu gewinnen – nutzen Sie diesen, um Klarheit zu erlangen.

 

 

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