01.04.2019

Von Ja-Sagern umgeben

So schaffen Sie eine lebhaft-inspirierende Feedback-Kultur

Sie gehören zu denen, die in den Raum kommen und alle Aufmerksamkeit richtet sich auf Sie? Sie sitzen in einer Meetingrunde und fühlen sich in all Ihren Aussagen bestätigt, sei es durch positive Wortbeiträge, sei es durch vermeintlich zustimmendes Schweigen? Vielleicht unterstreichen Sie Ihre Präsenz, Macht und Durchsetzungskraft als Entscheider auch noch durch einen lebhaften, einnehmenden Kommunikationsstil, der anderen keinen Raum lässt?

Trügerische Einigkeit
Harmonie ist bequem. Aber immer häufiger beschleicht Sie nach diesen Zusammentreffen das diffuse Gefühl, dass „etwas“ fehlt. Und in der letzten Vorstandsrunde sind Sie mit Ihrem Projekt gescheitert, weil zwei entscheidende Punkte nicht konseqent hinterfragt worden waren. Aber Sie waren doch mit Ihrem Team alles noch einmal durchgegangen. Es bestand Einigkeit. Keine Einwände! Kein Zögern! Keine Gegenmeinung!

So oder ganz ähnlich oder noch viel subtiler erleben Führungskräfte den Austausch mit einem Team aus Ja-Sagern. Achtung!

Harmonie birgt Gefahren für Wirksamkeit und zielgenaues Handeln

Gefahr 1:

Gute Lösungen brauchen offenen, kontroversen Austausch bis hin zum Disput. 1+1+1 ist nicht immer 3, sondern manchmal auch 4 oder sogar 5. Neues entsteht nicht aus der Bestätigung des Alten! Es entsteht in der Auseinandersetzung mit Alternativen und Gegensätzen.

Gefahr 2:

Eine Top-Führungskraft gefährdet sich selbst in ihrer Rolle, wenn sie Aufgabe und Wirklichkeit nur aus der eigenen Perspektive betrachtet und keine neuen Impulse zulässt. Wenn immer wieder nach bekannten Mustern gehandelt wird.

Gefahr 3:

Als wirksame Führungskraft sollten Sie Ihr Team moderieren, Impulse hineingeben und zum Mitdenken herausfordern. Wird das Team jedoch im Ja-Sagen bestätigt, wird es träge, entwickelt keine eigenen Ideen, verliert die Motivation. Potenzial liegt brach und wird nicht für Ihren Bereich und das Unternehmen genutzt.

Die eigenen blinden Flecken erkennen
Wie so oft liegt der Schlüssel nicht bei den Mitarbeitern, sondern bei der Führungskraft selbst. Mitarbeiter beobachten und reagieren mit Verhaltensanpassung auf wiederkehrende Signale der Führungskraft, um in ihrem Umfeld erfolgreich zu sein. Es sei denn, sie zählen zu den eher seltenen, durch und durch unabhängig handelnden Personen.

Keine noch so gute Führungskraft ist frei von blinden Flecken, also Verhaltensweisen, die von ihr selbst unbemerkt auftreten und Einfluss auf das Umfeld nehmen. Wenn dann auch noch unter Stress Reaktionen auftreten, die andere einschüchtern, dann wird der Mut zu Feedback gänzlich zerstört.

Reflektieren Sie deshalb regelmäßig Ihr Führungsverhalten, hinterfragen Sie immer wieder Ihren Anspruch an Ihr Team und wie Sie selbst diesem Anspruch gerecht werden. Und das nicht erst, sobald Sie Anzeichen wahrnehmen, von Ja-Sagern umgeben zu sein.

Hilfreiche Fragen und Indikatoren für die Selbstreflexion

  1. Wie stark wird die Macht in der eigenen Position in den Vordergrund gestellt?
  2. Wie stark leben Sie die Hierarchie in Ihrem Unternehmen?
  3. Wie gehen Sie mit anderen Meinungen und Kritik um?
  4. Wie gut hören Sie zu, ohne sofort Ihre eigene Meinung kundzutun?
  5. Dürfen in Entwicklungsphasen Fehler passieren?
  6. Wie viel Freiraum lassen Sie dem Team für die Meinungsbildung? Fordern Sie zum Lernen auf?
  7. Wo stehen Sie im Wettbewerb mit Ihren Mitarbeitern?

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